Employee-owned Company: das verbirgt sich hinter der Organisationsstruktur von Arineo

EOC – employee-owned company. Das ist die neuartige Organisationsstruktur, die in der Gründungssatzung der Arineo GmbH verankert ist. Das 2018 gegründete Start-Up mit Sitz in Göttingen wird innerhalb einer Frist von fünf Jahren zu 51 % der Belegschaft gehören; nach zehn Jahren wird das Unternehmen zu 100 % den Mitarbeitern gehören. Damit garantiert Arineo, dass das erwirtschaftete Kapital im Unternehmen bleibt, und nicht zu Inhabern, Investoren oder Aktionären fließt – und gliedert sich mit diesem Ansatz in die Reihen der Purpose-Unternehmen ein. Als Purpose-Unternehmen werden Unternehmen bezeichnet, deren primärer Zweck nicht das Erwirtschaften von Renditen für ihre Inhaber ist. Natürlich muss die Arineo GmbH genauso wirtschaftlich agieren wie konventionelle Unternehmen, um ihren primären Zweck zu erfüllen, nämlich Kunden IT-Dienstleistungen auf höchstem Niveau zu bieten. Gemäß der Purpose-Idee stehen alle Überschüsse dem Unternehmen und seinem Zweck zur Verfügung: Sie können ganz für Rücklagen sowie Investitionen in die Entwicklung der Mitarbeiter, in neue Lösungen oder in sinnvolles Wachstum verwendet werden. Zur Purpose-Idee gehört auch, dass der Verkauf des Unternehmens nur möglich ist, wenn alle Mitarbeiter damit einverstanden sind. Damit ist ausgeschlossen, dass Arineo zum Spekulationsobjekt wird.

„Die gewählte Inhaber-Struktur ist vergleichbar mit einem modernen Fußballclub der deutschen Bundesliga: Es gibt einen Verein, der als Inhaber einer Fußballgesellschaft fungiert. Dabei haben die Vereinsmitglieder keinen unmittelbaren Einfluss auf das operative Geschäft, bestimmen diese aber mittelbar durch die Bestellung von Aufsichtsräten, die an den Vereinszielen gebunden sind. Das operative Fußballgeschäft mit seinen notwendigen Entscheidungen wird dann durch die Geschäftsführung gestaltet,“ erklärt Ruven Heybowitz, Chief Transformation Officer bei Arineo, und ergänzt: „Mit dem Unterschied, dass Arineo kein Verein, sondern ein modernes Unternehmen ist.“


Ähnliche Konstrukte mag es bereits gegeben haben: Vereine wirtschaften zweckgebunden, Genossenschaften gehören ihren arbeitenden Mitgliedern, und Start-Ups mit Beteiligungsmodellen sind nicht ungewöhnlich. Neu ist die Kombination aller drei Elemente, verbunden mit moderner Führungskultur. Denn zusätzlich zur Mitarbeiter-Inhaberschaft wird das Unternehmen kollegial geführt. Entscheidungen werden gemeinschaftlich von den jeweils verantwortlichen Mitarbeitern getroffen – schließlich haben diese die meisten Informationen und können so schnellere und differenzierte Entscheidungen treffen als klassische Führungskräfte, die sich erst aufwändig in die Details einarbeiten müssen. „Die mittlere Führungsebene muss sich in klassischen Konzernstrukturen oft mit Administrativem befassen – doch dafür ist sie eigentlich überqualifiziert. Wir schaffen schlanke Strukturen, in denen Informationen schneller fließen und Administratives und Projektrelevantes – zum Beispiel Urlaubsanträge oder Vorgehensweisen – im Team geregelt werden. Damit kann das Unternehmen besser und schneller am Markt agieren. Und die Mitarbeiter finden sinnstiftende Arbeitsbedingungen vor“, so Heybowitz, Chief Transformation Officer bei Arineo.


Diese Organisationsstruktur bringt eindeutige Wettbewerbsvorteile mit sich. Als Wegbegleiter in der digitalen Transformation muss das Unternehmen in der Lage sein, neue Technologien schnell zu beherrschen und nutzbar zu machen. Dies gelingt nur, wenn die Menschen, die Arineo ausmachen, ihre Kreativität und ihr Engagement voll einbringen. Solche Menschen sind am Markt äußerst begehrt und suchen in der Regel ein Umfeld, in dem sie sich entfalten können. Die Gründer von Arineo haben zur Herstellung eines solchen Umfeldes gesicherte Erkenntnisse der Arbeits- und Organisationspsychologie genutzt: emotionale Sicherheit, Wertschätzung, Klarheit, Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit, Lösungsorientierung, Arbeiten im Team und eine ausgewogene Balance von Beruf und privatem Bereich sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzungen effektiver und kreativer Arbeit. Mitarbeiterorientierung schafft die Voraussetzungen für Kundenorientierung. „Wir sind davon überzeugt, dass die Ergebnisse von Arbeit am besten sind, wenn sich Erwerbsarbeit anfühlt wie ehrenamtliche Arbeit. Das wird dem modernen Menschen und seinen Bedürfnissen gerecht, und gibt uns einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil in unserem Markt“, schildert Heybowitz.


Trotz kollegialer Führung herrscht bei Arineo keine Basisdemokratie. Die agilen Entscheidungsstrukturen geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, schnell und selbständig innerhalb ihrer Wertschöpfungskette zu entscheiden. Für Geschäftsentscheidungen hingegen ist allein die Geschäftsführung zuständig. Diese ist einem Aufsichtsrat unterstellt, der sich aus externen Experten sowie Vertretern der Inhabergesellschaft zusammensetzt. An der Inhabergesellschaft können sich nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arineo GmbH beteiligen. „Im Grunde kann man sagen: Entscheidungen, die sich mit dem Hier und Jetzt befassen, werden kollegial von den Beteiligten getroffen; Entscheidungen, die die Zukunft des Unternehmens betreffen, obliegen der Geschäftsführung allein“, ergänzt Heybowitz.


Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung wirtschaftet Arineo kostendeckend. Bei den mittelständischen Zielkunden kommt das Geschäftsmodell von Arineo sehr gut an. „Wichtig ist zu nennen, dass die Arineo-Teams bereits vor der Gründung des Unternehmens einen sehr guten Ruf in der Branche hatten. Davon profitiert das Unternehmen natürlich. Viele Kunden sind den Teams zu Arineo gefolgt“, unterstreicht Heybowitz und ergänzt: „Die meisten Menschen, die sich mit unserem Ansatz auseinandersetzen, finden ihn gut. Es ist schließlich naheliegend, dass motivierte Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, bessere Arbeit leisten. Von der besseren Arbeitsleistung und der geringen Mitarbeiter-Fluktuation profitieren schlussendlich unsere Kunden“.


Der Hauptsitz von Arineo befindet sich in Göttingen – hier ist die Mehrheit der Arbeitnehmer beschäftigt. Auch Kooperationen mit Unternehmen aus der Region sind bereits entstanden. „Ich glaube, dass wir mit unserem kollegial geführten Purpose-Unternehmen den Nerv der Zeit treffen. Unser Konstrukt trägt dazu bei, interessante Arbeitsplätze langfristig zu sichern“, ergänzt Heybowitz.

Inhaberstruktur und Kapitalflussmodell auf einen Blick